Mittwoch, 31.3., 19.30 h und Samstag, 17.4., 15-22 h, finden in Berlin Diskussionsveranstaltungen zu den Gipfelprotesten der letzten zehn Jahre statt.
Ausführliche Infos hier.
Orte siehe Stressfaktor.
Erläuterung:
Viel ist passiert, seit im Herbst 1999 tausende AktivistInnen in Seattle / USA ihren Widerstand gegen den WTO Gipfel auf die Straße trugen und das Treffen massiv behinderten. Weltweit hat seither die sog. “Anti/Alter-Globalisierungsbewegung” ihre Spuren durch die Zeitgeschichte des vergangenen Jahrzehnts gezogen. Die Schüsse in Goeteborg, der Mord an Carlo Giuliani, und die vielen Verletzten und Gefangenen dieser Bewegung sind uns dabei genauso präsent, wie die vielen Momente der Solidarität, gemeinsamer politischer Prozesse und des kollektiven Widerstands, die sie hervorbrachte. Die Geschichte der “Anti-Globalisierungsbewegung” ist von Anfang an auch die der linksradikalen, autonomen und anarchistischen Gruppen die sich in ihr organisierten. Obwohl es im Rahmen von Gipfelmobilisierungen immer wieder gelang, Kristallisationspunkte zu schaffen und verschiedene politische Strömungen und Teilbereiche zusammenzubringen, verschwanden die Bündnisse und Netzwerke oft ebenso schnell wieder von der Bühne, wie sie entstanden waren. Über das „Event“ hinaus gelang es dabei kaum, die Gipfelproteste in soziale Bewegungen und Alltagskämpfe einzubetten. Gerade im Umgang mit der Weltwirtschaftskrise und den viel beschworenen “sozialen Unruhen” zeigt sich die undogmatische, radikale Linke schlecht vorbereitet, um in dieser Situation der Möglichkeit einer emanzipatorischen Gesellschaftsalternative neuen Raum zu schaffen.
Stattdessen betreibt sie business as usual, steckt in alten Gewohnheiten und Abwehrkämpfen fest. Die Gipfelproteste werden immer mehr zu einem berechenbaren Ritual und zum willkommenen demokratischen Beiprogramm der Veranstaltungen selbst.
Wir denken, es ist an der Zeit, sich die Entwicklungen, Aktionsformen und Erfahrungen der letzten Jahre in Ruhe anzuschauen und auch Kritik daran zu reflektieren, um daraus gemeinsam neue Strategien und Perspektiven zu entwickeln. Wir hoffen dabei auf einen offenen und hierarchiefreien Diskussionsprozess, der möglichst viele Aktivist_innen miteinbezieht.